Boycott, Divest, Sanction, and Bomb
Juli 18th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Der norwegische Außenminister Jonas Gahr Stoere spricht sich öffentlich für die einseitige Ausrufung eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 aus. »Norwegen ist der Meinung, dass es absolut legitim ist, wenn der palästinensische Präsident sich mit solchen Vorschlägen an die Vereinten Nationen wendet«, sagte Stoere laut einem Bericht der Haaretz und befindet sich damit im Widerspruch zu den meisten westlichen Staaten. Aber Norwegen hat auch in der Vergangenheit wenige Gelegenheiten ausgelassen, seine besondere Israelfeindlichkeit unter Beweis zu stellen.
Zwar ließ sich Stoere eine Hintertür offen, indem er behauptete, Norwegen würde eine endgültige Entscheidung erst nach der Lektüre des eigentlichen Textes fällen, konnte es sich aber nicht verkneifen hinzuzufügen: »Ich glaube nicht, dass irgendein Palästinenser oder irgendwer auf der Welt daran zweifelt, dass Norwegen das palästinensische Recht auf einen Staat unterstützt«. Sogar die EU, die an sich immer schnell dabei ist, wenn es Israel zu verurteilen und Kläranlagen im Gazastreifen zu besuchen gilt, lehnt einen solchen einseitigen Vorstoß ab. Norwegen hingegen befindet sich seit Jahren an der Front gegen Israel.
So machte die norwegische »Sozialistische Linkspartei« (Sosialistisk Venstreparti) im März diesen Jahres ihre Unterstützung des Kriegseinsatzes in Libyen allen Ernstes davon abhängig, im Falle eines erneuten israelischen Eingreifens im Gazastreifen Israel bombardieren zu dürfen (Link im Browser übersetzen lassen oder auf Deutsch oder Englisch dazu lesen). Die Venstreparti ist seit 2005 eine von drei Parteien in der Regierungskoalition, die 2009 wieder gewählt wurde.
Eine Umfrage der Osloer Stadtverwaltung ergab letzten Monat, dass 33% der jüdischen Schüler von ihren Mitschülern körperlich bedroht oder misshandelt werden und für 51% der Schüler »Jude« einen negativen Ausdruck darstellt.
Laut der Studie eines Osloer Instituts boykottierten letztes Jahr fast 10% der Norweger israelische Produkte, insgesamt über 40% sprachen sich dafür aus.
Der US-amerikanische Juraprofessor und Bürgerrechtsanwalt Alan Dershowitz berichtete im März 2011 im Wall Street Journal über die antisemitische Stimmung im Land und wie die norwegischen Universitäten sein Angebot, einen unentgeltlichen Vortrag über Israel und internationales Recht zu halten, ablehnten, während zwei seiner Kollegen, die von der übermächtigen israelische Lobby und dem Terrorstaat Israel zu berichten wussten, herzlich willkommen geheißen wurden. Einer der norwegischen Rektoren bot Dershowitz an, einen Vortrag über seinen berühmten O.J. Simpson-Fall zu referieren – wenn er verspreche, Israel nicht zu erwähnen. Ein Professor schrieb über die »selbstgerechte Stammesmentalität, die unter den Juden vorherrscht«.
Eine Osloer Professorin warnt vor steigendem, gewalttätigem Antisemitismus und macht dafür auch die norwegischen Medien verantwortlich, die ein einseitiges Bild des Nahostkonflikts zeigen würden, wobei sie der Sozialwissenschaftlerin zufolge 2010 keinen einzigen Korrespondenten in Israel selbst abgestellt hatten, sondern ausschließlich in den umliegenden arabischen Ländern.
Man ist sich nicht ganz einig, ob unter den ca. 5 Millionen Norwegern zur Zeit noch 2.000 oder 1.000 Juden leben.